AR UND DAS UNIVERSUM HINTER DEN BEIDEN BUCHSTABEN

 

Worte Markus Bareuther, Barbara Niederschick

Das Holodeck ist bei der „Star Trek“-Crew ein beliebter Ort, an dem sie ihre Freizeit in der virtuellen Realität verbringen und Abenteuer erleben oder Entspannung finden. Verbrecher erwischen, bevor sie ihre Tat begehen? Der Film „Minority Report“ zeigte es auf spannende Weise vor. Wer dachte noch vor ein paar Jahren, dass die Visionen aus der beliebten Serie oder dem Blockbuster jemals Wirklichkeit werden? Die neuen Ideen wurden als Spielerei oder Fantasterei abgetan. Heute hingegen ist vieles schon zu einem Teil der Realität geworden, was noch vor einigen Jahren ins Reich der Science-Fiction gehörte. Technische Innovationen spielen mittlerweile eine wichtige Rolle in Entertainment, Lehre und Industrie.

Bei jeder technologischen Revolution gibt es Hürden. Die Leistungsfähigkeit einer neuen Technologie ist das eine – wesentlich größer sind die Bremswirkungen durch Zweifler. Wo stünden wir heute, gäbe es nicht die Fantasten und Innovatoren unter uns, Menschen mit Visionen für die Zukunft und dem Willen, diese Visionen Realität werden zu lassen? Die Frage ist, wie soll eine Entwicklung erfolgreich werden, wenn ihre technischen Eckdaten dem Wettbewerb hinterherhinken?

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ALLES RICHTIG GEMACHT

Interview Antje Mayer-Salvi Bilder Christian Anwander, Guenter Parth

Tino Valentinitsch verdiente sich seine Sporen als erfolgreicher Designer für adidas, Versace und Helmut Lang, bevor er mit seinem Partner Michael Bauchowitz das bekannte Industrie- und Produktdesign-Studio „Valentinitsch Design“ seines Vaters in Wien übernahm. Eines seiner ersten Designobjekte, das er als kleiner Bub entwarf, war – wie viele seiner späteren Objekte – so bestechend einfach wie ausgefeilt: eine Futterklappe für seinen Dackel.

Ihnen wurde das Designen im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt!?
Das kann man so sagen! Unser Büro „Valentinitsch Design“ gründete mein Vater Dietmar im Jahr 1982. Es war eines der ersten Studios für Industrie- und Produktdesign in Wien, sehr spezialisiert und klassisch. Davor war er Kreativdirektor bei Dachstein, wo er 1970 den ersten Kunststoff-Skischuh der Welt erfand – damals eine Revolution. Der berühmte „MAM Beruhigungssauger“ und „Battenfeld“, die erste vollständig eingehauste Spritzgussmaschine der Welt, oder die Niederflurstraßenbahnen der U6 in Wien sind ebenfalls vom ihm. Ich bin mit meinem Partner Michael Bauchowitz heute vielfältiger aufgestellt: Wir bedienen Lifestylekunden, designen auch Grafik und Interieurs und beschäftigen uns mit Branding.

Können Sie sich noch an Ihr erstes selbst designtes Objekt erinnern?
Das war eine Klappe auf unserem Esstisch, wo man die Speisereste reinschmeißen konnte, die direkt in einen darunter stehenden Napf für unseren Dackel fielen. Was auch schon früh für meinen Sinn für funktionale Lösungen sprach, war eine Art Kopfspange für meine Mutter, in die sie eine Zigarette stecken konnte. So war es ihr möglich zu rauchen und trotzdem beide Hände frei zu haben.

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AUSGESPROCHEN IN AUSGABE SECHS

Herausgeberin Barbara Niederschick

Liebe Leserinnen und Leser!
Stark in die Gesellschaft einschneidende Erlebnisse bieten immer die Gelegenheit für Neuentwicklung. Das Jahr 2020 hat sich als Jahr der Neuausrichtung entpuppt. Gleich zu Beginn wurden Teile der Welt in eine Gesundheitskrise gestürzt, und mit jeder Woche breitete sich diese Krise weiter aus.

Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft sind stark gefordert. Eine Schockstarre ergriff die Wirtschaft in einem Ausmaß, das seinesgleichen sucht. Ganze Industriezweige und Branchen haben die Arbeit (scheinbar) niedergelegt, etablierte und große Unternehmen haben ihre Marketingbudgets eingefroren. Ein großes Fragezeichen hat sich in den vergangenen Monaten auf meinem Gesicht ausgebreitet, sobald ich die Konsumgüter- und Designbranche näher betrachtet habe. Im Konsum- und Luxusgüterbereich gab es einerseits jene Unternehmen, die im Handel über mangelnden Nachschub von Produkten klagten, und es gab manche kleine produzierende Betriebe, die weiterhin gute Geschäfte machten. Andererseits waren da die produzierenden Großbetriebe, die Budgets und Produktion auf ein Minimum zurückfuhren oder komplett einstellten.

Was waren die Gründe dafür, dass diese Schere so weit aufgegangen ist? Vielleicht lag es daran, welchen Veränderungswillen und welche Anpassungsfähigkeit die Unternehmen an den Tag legten. Einige wenige nutzten diese aufgezwungene Auszeit für die Entwicklung von Neuem und dem Optimieren von Althergebrachtem. Diejenigen, die ihre Hausaufgaben genau und trotzdem in diesem Zeitfenster erledigt, Stabilität gezeigt und die Kommunikation sowie die Sichtbarkeit aufrechterhalten haben, werden sicherlich einen positiveren Geschäftsverlauf vermerken können.
Natürlich waren auch wir als Designmagazin betroffen. Schon im Jänner konnten wir die ersten Anzeichen spüren. Die vorige Ausgabe von MUTBOARD & VOGEL erschien im April, trotz aller Widrigkeiten. Die vergangenen Monate haben wir intensiv dazu genutzt, unser Magazin neu aufzuladen. Nicht nur themenbezogen wird die vor Ihnen liegende Ausgabe 6 anders sein, sondern auch die handelnden Personen rücken mit neuen Aufgaben in den Vordergrund, neue Autoren erweitern unser Team.

Neben den bereits bekannten Themenbereichen Architektur, Produktdesign und Mobilität können Sie sich in diesem Heft auf Designthemen aus Wirtschaft und Technologie freuen, wie Designfails, Design in künstlicher Intelligenz und Augmented Reality, Servicedesign und Designtheorie. Und das Cover verrät den grundsätzlichen Schwerpunkt der #6: Design made in Austria. Neu ab dieser Ausgabe ist das Städteporträt einer City of Design. Natürlich starten wir mit Graz.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihre
Barbara Niederschick, Herausgeberin

PS: Ein Tipp: Tauchen Sie mit der nwP virtual-APP in die “erweiterte Realität” ein, um mehr Augmented Reality-Erlebnisse anzusehen. Das App-Zeichen in der Printausgabe führt Sie weiter.

DATENZÄHMEN LEICHT GEMACHT

Worte Stephen Hansen Grafiken Jean Wagemans, Federica Russo, Federico Gobbo

Künstliche Intelligenz (KI) ist in unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Wie jede andere Technologie auch entwickelt sie sich ständig weiter. Während auf der einen Seite der Umfang und die Komplexität der KI-Technologie weiter zunehmen, wird sie auf der anderen Seite immer verbreiteter und damit benutzerfreundlicher und stellt neue Möglichkeiten für Anbieter und Verbraucher zur Verfügung. Eine wesentliche Bedeutung im Zusammenhang mit KI-Anwendungen kommt dem Sprachdesign zu. Sprachdesign kann die Fähigkeiten von KI transparent machen und das digitale Nutzererlebnis stärken. Eins vorweg: Die Zukunft mit KI wird sich
freundlich gestalten.

Das übergeordnete Ziel der künstlichen Intelligenz ist es, den Menschen auf die eine oder andere Weise zu helfen, indem eine Reihe von Werkzeugen verwendet wird. Dafür werden Algorithmen eingesetzt, die von Menschen entworfen wurden, um Probleme zu lösen, die nicht von einem einzigen Programm behoben werden können. Mit dem Aufkommen des maschinellen Lernens erhielt die KI die zusätzliche Fähigkeit, ihre Algorithmen gemäß den Anforderungen des Benutzers zu entwerfen, was besonders für die Analyse komplexer, großer Datensätze nützlich ist. Heutzutage verwenden die modernsten KI-Lösungen Deep-Learning-Ansätze, die auf dem basieren, was wir als „neuronale Netze“ bezeichnen.

Der Begriff lädt dazu ein, sich hypermoderne künstliche Nervensysteme vorzustellen, die durch Nanomaschinen erzeugt werden, in Wirklichkeit aber virtuelle Stapel von „intelligenten“ Algorithmen sind. Neuronale Netze können sich automatisch anpassen, wenn sie mit sich ändernden Inputs konfrontiert werden. Sie werden daher oft als „adaptive KI“ bezeichnet, die für ihre Robustheit (im Sinne von Genauigkeit und der Fähigkeit, Veränderungen ohne Anpassung der Struktur standzuhalten), Effizienz und Agilität bekannt ist. Um eine Deep-Learning-KI-Lösung richtig zu „trainieren“, werden große Datenmengen benötigt, und unter der Annahme einer relativen Datensatzkonsistenz, d. h. korrekt abgespeicherter Daten, können die Ergebnisse wirklich verblüffend sein. Derartige Analysen großer Datenmengen, die heute durchgeführt werden, wären sonst nicht möglich. Dies birgt jedoch auch große Probleme: einerseits einen Mangel an ausreichend zuverlässiger Transparenz und andererseits einen Mangel an Klarheit in Bezug auf die Neigung neuronaler Netze zur Voreingenommenheit.

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NEU AM START

Rollt leider noch nicht durch das Hongkong der Corona-Zeit. Aber spannend ist der Entwurf des dort niedergelassenen Italieners Andrea Ponti allemal – und der Babyelefant fährt mit. Denn ein Entwurf für eine selbstfahrende Tramway setzt im Inneren auf Social Distancing.
Worte Jürgen Hoffmann Bilder Hersteller

Mit Transportation Design kommt die Welt ein kleines Stück weiter: Die aktuellsten Mobility-Ideen lassen User übers Wasser radeln, mit dem Auto verschmelzen und bitten in die autonome Tramway.

Einen Denkfehler machen Interessenten des weltweit ersten E-Wasserbikes gerne. Denn einfach am Ufer entlangradeln, um dann im Stil eines Amphibienfahrzeugs den spontanen Abzweiger quer über den See oder gar die Meeresbucht zu nehmen, weil man so schneller beim Mittagessen oder an seinem Lieblingsbadeplatz ankommt – das schafft das Manta5 nicht. Es ist leider „nur“ ein Wasserfahrrad, keines, mit dem man an herkömmlichen Radrouten cruisen kann, denn dann sind Bauteile wie die Tragflächen im Weg. Aber das strebten die neuseeländischen Entwickler des ersten Batterie unterstützten Wasserfahrrades der Welt auch gar nicht an – die ansonsten alles richtig gemacht hatten. Acht Jahre feilten der Unternehmensgründer Guy Howard-Willis und der Fahrraddesigner Roland Alonzo am Prototypen herum, bis eine finale Lösung gefunden war. Sie verbauten eine wasserdichte IP68-Batterie und den 460-Watt-Elektromotor, ferner Aluelemente aus dem Flugzeugbau für den Fahrradrahmen sowie Tragflächen auf Carbonbasis, was sich in Summe anhand eines nur 28 Kilo leichten Vehikels niederschlug. Eine ideale Trainingsstätte fand sich mit der Heimat Neuseeland ohnehin – dessen wasserreiche Natur von Anfang an herausstrich, was das „Manta5“ so draufhat. Mit etwas Übung kann man sogar gegen die Strömung von Flüssen radeln, sicher aber über offene Meeresbuchten, mit Spitzengeschwindigkeiten von elf Knoten oder – für Nicht-Seebären – von über 19 km/h, was Segeln bei leichtem bis moderatem Wind entspricht. Nach fünfzehn starken Pedaltritten stellt sich dann der Tragflügelboot-Effekt ein, eine Art Schweben über Wasser, wobei die ersten Nutzer die Manövrierfähigkeit des „Manta5“ mit jener eines Mountainbikes vergleichen – besonders genussvoll bei aufgeladener Batterie, was eine Stunde Fahrzeit erlaubt. Alles richtig gemacht, das inkludiert hier auch die Vermarktungsstrategie der genialen Produktentwicklung.

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MUTBOARD & VOGEL: STOLZER MEDIENPARTNER BEIM JOSEPH BINDER AWARD

Presseinformation, 23. März 2020

Das einzige Designmagazin Österreichs mit Augmented-Reality-Inhalten, MUTBOARD & VOGEL, ist exklusiver Medienpartner des Joseph Binder Awards (JBA20). Der international ausgeschriebene Designwettbewerb für Grafikdesign und Illustration in Österreich, wird in diesem Jahr zum 15. Mal von designaustria verliehen..

MUTBOARD & VOGEL schließt die Marktlücke für Menschen, die ein umfassendes Verständnis für Design in sich tragen. Das einzige österreichische Designmagazin erzählt Geschichten von Objekten, Konzepten, Prozessen und zeigt die Hintergründe und das Spannungsfeld von Wirtschaft, Technik, Gesellschaft und Design auf. Das österreichische Produkt begeistert Kreative, Gestalter und Unternehmen gleichermaßen. Das junge Magazin erschien bereits zum fünften Mal und brachte im letzten Jahr zusätzlich eine Sondernummer zur Berlin Design Week heraus. MUTBOARD & VOGEL stellt dar, was Design tatsächlich ist. In vielen Köpfen ist Design auf Begriffe wie Möbelstücke, Produkte oder Mode reduziert. Design ist mehr! Es hat eine Vielzahl anderer Aspekte, die das Designmagazin zeigt.

Wodurch sich das Magazin in der Medienlandschaft zusätzlich deutlich abhebt, ist der Einsatz von Augmented Reality (AR), um eine bessere Brücke zum Leser zu bilden. Bisher gab es keine „schnelle“ Verbindung zwischen Papier und online. „Mit Augmented Reality besteht die Möglichkeit, dem Leser mehr und bessere Eindrücke von Produkten zu verschaffen, ihnen rasch zusätzliche Kundenerlebnisse anzubieten sowie Zusatzinformationen geballt zur Verfügung zu stellen, ohne lange danach suchen zu müssen,“ meint Barbara Niederschick, die Herausgeberin, über den innovativen Ansatz in MUTBOARD & VOGEL. Dieser besondere Nutzen bietet den Vorteil, dass sich Leser schon im Vorfeld ausgiebiger mit dem Angebot beschäftigen und dieses damit länger in Erinnerung bleibt

„Es war naheliegend, mit designaustria zu kooperieren. Ein international bedeutsamer Preis und ein einzigartiges Designmagazin, ergänzen sich auf unübertreffliche Weise,“ ist sich Max Niederschick, Artdirektor von MUTBOARD & VOGEL, sicher.
Der Preis ist nach dem österreichischen Designer Joseph Binder (1898–1972) benannt. Er revolutionierte mit seiner eindrucksvollen Formensprache das Grafikdesign in seiner Heimat und später auch in den Vereinigten Staaten. Sein Grundsatz lautete: „Im Design hat alles eine Funktion. Design hat die Funktion der Darstellung. Design hat die Funktion der Kommunikation. Design hat die Funktion der Motivierung.“

Der JBA20 wird am 12. November 2020 verliehen. Die Beurteilung der Einreichungen erfolgt durch eine internationale Fachjury. MUTBOARD & VOGEL begleitet die Berichterstattung und stellt die Preisträger vor.

Weiter Infos zum Preis und zur Teilnahme: JBA20

WERTE IM DESIGN

Wie können Wertschätzung und Wertschöpfung Designrelevante bereiche nützlich verbinden?
Worte Joachim Kobuss Bild Helen Nicolai

Designen ist die älteste Kulturtechnik des Menschen. Sie hat sich lange vor dem Sprechen, Schreiben und Lesen entwickelt. So gesehen ist jeder Mensch ein Designer. Der Unterschied zur Profession liegt lediglich in den handwerklichen Fertigkeiten und (heute) in der akademischen Kompetenz des Designberufs. Es gibt also nichtberufliche und berufliche Designer. Berufliche Designer erbringen professionell designbezogene Dienst-/Werkleistungen und schaffen damit überhaupt erst die Voraussetzungen für Wertschöpfung.

Alle diejenigen, die Designleistungen und deren Ergebnisse professionell nutzen, wissen das und können dies auch wertschätzen. So gesehen erscheint die eingangs gestellte Frage fast rhetorisch. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, da die Frage nach der Wertschätzung und der damit zusammenhängenden Wertschöpfung oft unzureichend und unscharf beantwortet wird. Dies gilt sowohl für Auftraggeber / Nutzer als auch für berufliche Designer. Beide Seiten stehen immer wieder vor ähnlichen Fragestellungen: Warum soll ich für eine Designleistung mehr bezahlen, wenn ich diese günstig(er) bekommen kann? Warum soll ich für meine Designleistung weniger verlangen, wenn ich für diese mehr bekommen kann? Die (ökonomische) Antwort auf beide Fragen ist dieselbe: Wenn etwas sehr günstig ist, ist etwas anderes dafür sehr teuer! Dazu später mehr.

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PLATT GEMACHT

Worte Beat Werndlinger

Lieber würden wir Gras über diese Geschichte wachsen lassen. Aber das lässt der verschwenderische Umgang mit der knapper werdenden Ressource Boden nicht zu. Wuchernde Städte und die Folgen der Klimaänderung verleihen dem Problembär Bodenversiegelung zusätzliche Brisanz. Ganz vorne im pro Kopf Verbrauch dabei: das kleine, reiche, zubetonierte Österreich.

Im bereits länger zurückliegenden Jahr 2007 zog der Orkan Kyrill eine Schneise der Verwüstung durch Europa. Joanne Rowling vollendete ihren Harry Potter, Rumänien und Bulgarien erweiterten die EU und im brasilianischen Regenwald wurde eine völlig neue Nebelschweineart entdeckt: das Riesenpekari. Ähnlich gut versteckt wie die bis dahin unbekannte Säugetierart war aber auch eine unsichtbare Grenze, die in diesem Jahr erstmals überschritten wurde. Es ging um die Aufteilung der Menschheit nach Wohnort. Erstmal hatten Städter die Nase vorne und läuteten so eine neue Ära ein. Nennen wir sie das Zeitalter des Urbanozän. Denn seit diesem Moment leben weltweit mehr Menschen in Städten als am Land.

Für postindustrielle Gesellschaften ist das freilich längst Routine.

In Japan sind es bereits 90 Prozent, in Australien 88, in den USA 80. Spitzenreiter in der EU (Durchschnitt: 77 Prozent) ist übrigens Belgien. Fast jeder, nämlich mehr als 98 Prozent aller Belgier, lebt in Städten. Schon heute hängt die Lebensqualität davon ab, wie gut diese geplant sind. Und besser wir lassen nichts anbrennen: Schon 2050 sollen nämlich zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben.

In Österreich liegt der Urbanisierungsgrad bei über 58 Prozent – was selbstverständlich mit dem eher sperrig besiedelbaren alpinen Raum zu tun hat. Aber voreilige Schlüsse lassen sich daraus keine ziehen. Denn dafür ist man hierzulande in einem anderen Bereich Spitzenreiter: beim Thema Bodenversiegelung. Zwanzig Fußballfelder sind es täglich, die für Neuverbauung herangezogen werden. Natürlich keine echten Fußballfelder (denn dann wäre Österreichs Team stärker unterwegs). Es geht um die entsprechende Flächenversiegelung, und die Aufteilung ist allemal interessant.

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IST UNSER GAST WIRKLICH KÖNIG? DER GAST IST KEIN KÖNIG!

Worte Rudolf Greger Bilder Wolfgang Lehner, Thomas Topf

„Leeeeiiiiider haben wir den letzten Tisch gerade vergeben“, sagte der Kellner süffisant, als wir ihn fragten, ob wir (gerade aus Wien in Innsbruck angekommen) noch einen Tisch für ein Abendessen für zwei bekommen können. Dass keiner mehr frei ist, dafür kann er nichts, aber dass er es so vermittelt, schon. Auf die Frage, wann ein Tisch freiwerden würde, antwortete er: „Na, unsere Gäste werfen wir nicht raus, keine Ahnung.“ Gut, da will man keine zusätzlichen Gäste, da bemüht man sich nicht um gute Laune und um gutes Geschäft (man hat offenbar genug).

Zufriedene Kunden durch zuvorkommende Kundenbetreuung war schon immer oberstes Ziel und Gebot jedes anständigen Unternehmers und ganz besonders eines Wirts. Die Gastronomie ist die Keimzelle bester Kundenbetreuung und „Servicedesign“ ist der Ausgangspunkt dieser Bewegung höchster Kundenorientierung. Diese Branche hat den Kunden in ihrer Bezeichnung: Gastwirtschaft, das ist eine Wirtschaft um und für den Gast; der Gastwirt ist gastfreundlich zum Gast. Alles dreht sich um den Gast. Er (dieser Mensch, Frau oder Mann) ist das Zentrum der Aktivität, und ihm (diesem Menschen) will man Bestes angedeihen lassen. Legendär die Geschichte von Carlo Goldoni über „Die reizende Wirtin“ (Originaltitel „Mirandolina“), deren Gastgeber-Charme schließlich sogar der frauenfeindliche Cavaliere nicht widerstehen kann. So sehr achtet sie auf richtigen Bettbezug und beste Speisenfolge. Es ist eine Freude, wenn man dem Hörspiel lauscht. Freilich, das ist aus einer anderen Zeit, aber es bezeugt den Ursprung der Kundenorientierung.

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DARLING ICH BIN IM INDOORGARDEN!

Worte Jürgen Hofmann Bilder Stefan Randlkofer, Rotofarm

Der Megatrend Urban Farming beschert uns auch in der kalten, finsteren Jahreszeit intelligente Microgreen-Devices für den Innenraum. Ganz vorne dabei ist die Domestizierung der boomenden erdlosen Hydroponik.

Erde war gestern. Das heutige Zauberwort lautet Hydroponik: Anbau von Pflanzen ohne Erde. Zur Erinnerung: Wir reden beim Thema Indoor-Humus von keinem nostalgisch eingetopften, eindeutig positiv besetzten Grundsubstrat des Wohnens. Sondern schon auch vom mal klebrigen, mal krümeligen Störfaktor in Blumentöpfen, dem natürlichen Feind jedes Teppich- und Sofa-Milieus. Erde ist gut für: Friedhöfe, Bauern, Regenwürmer, altmodische Karotten. Erde gehört: zwar uns allen, aber am besten sich selbst und hoffentlich Amazoniens Indigenen. Wer aber auf der Höhe der Zeit, und vor allem: in der eigenen Küche Vertical Farming betreiben möchte, ist mit dem Einbaugarten auf Hydroponic-Basis um Schnittlauchlängen besser dran. Das betrifft heuer erstmals mehr als die Hälfte der Menschheit – denn seit 2019 leben mehr Menschen in Städten als am tendenziell Erdreich-affineren Land.

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Artikel aus MUTBOARD & VOGEL Ausgabe Vier, Seite 88 – 91