IST UNSER GAST WIRKLICH KÖNIG? DER GAST IST KEIN KÖNIG!

Worte Rudolf Greger Bilder Wolfgang Lehner, Thomas Topf

„Leeeeiiiiider haben wir den letzten Tisch gerade vergeben“, sagte der Kellner süffisant, als wir ihn fragten, ob wir (gerade aus Wien in Innsbruck angekommen) noch einen Tisch für ein Abendessen für zwei bekommen können. Dass keiner mehr frei ist, dafür kann er nichts, aber dass er es so vermittelt, schon. Auf die Frage, wann ein Tisch freiwerden würde, antwortete er: „Na, unsere Gäste werfen wir nicht raus, keine Ahnung.“ Gut, da will man keine zusätzlichen Gäste, da bemüht man sich nicht um gute Laune und um gutes Geschäft (man hat offenbar genug).

Zufriedene Kunden durch zuvorkommende Kundenbetreuung war schon immer oberstes Ziel und Gebot jedes anständigen Unternehmers und ganz besonders eines Wirts. Die Gastronomie ist die Keimzelle bester Kundenbetreuung und „Servicedesign“ ist der Ausgangspunkt dieser Bewegung höchster Kundenorientierung. Diese Branche hat den Kunden in ihrer Bezeichnung: Gastwirtschaft, das ist eine Wirtschaft um und für den Gast; der Gastwirt ist gastfreundlich zum Gast. Alles dreht sich um den Gast. Er (dieser Mensch, Frau oder Mann) ist das Zentrum der Aktivität, und ihm (diesem Menschen) will man Bestes angedeihen lassen. Legendär die Geschichte von Carlo Goldoni über „Die reizende Wirtin“ (Originaltitel „Mirandolina“), deren Gastgeber-Charme schließlich sogar der frauenfeindliche Cavaliere nicht widerstehen kann. So sehr achtet sie auf richtigen Bettbezug und beste Speisenfolge. Es ist eine Freude, wenn man dem Hörspiel lauscht. Freilich, das ist aus einer anderen Zeit, aber es bezeugt den Ursprung der Kundenorientierung.

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