PLATT GEMACHT

Worte Beat Werndlinger

Lieber würden wir Gras über diese Geschichte wachsen lassen. Aber das lässt der verschwenderische Umgang mit der knapper werdenden Ressource Boden nicht zu. Wuchernde Städte und die Folgen der Klimaänderung verleihen dem Problembär Bodenversiegelung zusätzliche Brisanz. Ganz vorne im pro Kopf Verbrauch dabei: das kleine, reiche, zubetonierte Österreich.

Im bereits länger zurückliegenden Jahr 2007 zog der Orkan Kyrill eine Schneise der Verwüstung durch Europa. Joanne Rowling vollendete ihren Harry Potter, Rumänien und Bulgarien erweiterten die EU und im brasilianischen Regenwald wurde eine völlig neue Nebelschweineart entdeckt: das Riesenpekari. Ähnlich gut versteckt wie die bis dahin unbekannte Säugetierart war aber auch eine unsichtbare Grenze, die in diesem Jahr erstmals überschritten wurde. Es ging um die Aufteilung der Menschheit nach Wohnort. Erstmal hatten Städter die Nase vorne und läuteten so eine neue Ära ein. Nennen wir sie das Zeitalter des Urbanozän. Denn seit diesem Moment leben weltweit mehr Menschen in Städten als am Land.

Für postindustrielle Gesellschaften ist das freilich längst Routine.

In Japan sind es bereits 90 Prozent, in Australien 88, in den USA 80. Spitzenreiter in der EU (Durchschnitt: 77 Prozent) ist übrigens Belgien. Fast jeder, nämlich mehr als 98 Prozent aller Belgier, lebt in Städten. Schon heute hängt die Lebensqualität davon ab, wie gut diese geplant sind. Und besser wir lassen nichts anbrennen: Schon 2050 sollen nämlich zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben.

In Österreich liegt der Urbanisierungsgrad bei über 58 Prozent – was selbstverständlich mit dem eher sperrig besiedelbaren alpinen Raum zu tun hat. Aber voreilige Schlüsse lassen sich daraus keine ziehen. Denn dafür ist man hierzulande in einem anderen Bereich Spitzenreiter: beim Thema Bodenversiegelung. Zwanzig Fußballfelder sind es täglich, die für Neuverbauung herangezogen werden. Natürlich keine echten Fußballfelder (denn dann wäre Österreichs Team stärker unterwegs). Es geht um die entsprechende Flächenversiegelung, und die Aufteilung ist allemal interessant.

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